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Oldtimer

An diesem besagten Tag kam morgens die Frau die uns sonst immer das Futter gebracht hat zu uns in der Zwinger, zog mich heraus und putzte und kämmte mich. Oha....., habe ich so bei mir gedacht, bestimmt habe ich wieder was angestellt und jetzt fällt mir nicht ein was es sein könnte.......! Schlimm muss es gewesen sein, denn die Frau sperrte mich ganz alleine in den Strohschuppen. Genau um 10 Uhr vormittags hat sie mich wieder herausgeholt und mich mit in ihr Wohnzimmer genommen. Zwei Gestalten saßen da und haben sich in einem mir fremden Dialekt unterhalten, den ich nicht verstehen konnte. Einer der Fremden war riesengroß, hatte eine tiefe angenehme Stimme und daneben saß eine Frau auf einem Stuhl, die ausgesehen hat als hätte sie kurze Zeit vorher noch geweint. Der Dicke streckte mir die Hand entgegen und ich erschnüffelte “ Old Spice “ Rasierwasser, schwarze französische Zigaretten und den feinen Geruch der dünnen “ Clubmaster-long” Zigarren. Seine Lederjacke roch nach Abenteuer, Lagerfeuer und Romantik. Später wußte ich es war Pfeifenrauch. Oft hatte ich nicht die Möglichkeit das Wohnzimmer der Futterfrau zu durchstöbern, aber ich machte mich auf, damit ich Mama recht viel erzählen konnte, wenn man mich wieder zurück in den Zwinger steckt. Die Frau auf dem Stuhl hatte einen Anorak an, von dem eine Kordel bis zum Boden herunter baumelte. Ich nahm die Kordel in mein Maul und zog aus Leibeskräften. Es hätte sein können, dass die Kordel dadurch länger wird? Ich werde es nie erfahren, denn die Frau nahm mich hoch in ihre Arme, blickte mir tief in die Augen..... Hey, das war ja seltsam, ich bekam weiche Knie ! Liebe auf den ersten Blick war das ! Was für eine Wahnsinnsfrau, sie hielt mich absolut richtig in ihren Armen, sodass ich mich richtig einkuscheln konnte und als ich vor Entzücken tief Luft holte stellte ich fest, dass ihr Anorak nach Rauhaardackel roch ! Waren das überhaupt keine Menschen, sondern andere Rauhaardackel von einem anderen Stern ? Tatsächlich, denn die Frau behielt mich auf ihrem Arm und ging mit mir vor das Haus. Sie trug mich zu dem Raumschiff der beiden und setzte sich mit mir hinein. Das UFO roch innen auch nach Rauhaardackel !! Dann kam der Dicke noch dazu und ich wurde in einen samtweichen Hundereisekorb aus Stoff gesetzt und die Frau hielt mich mit dem Korb auf ihrem Schoß. Der Reisekorb war blau , die hochgezogenen Ränder weich gepolstert und innen lag ein braunes Lammfell. Ein Cabrio- Korb, denn er war oben offen! Ich schaute aus dem Fenster und sah wie sich das UFO in Bewegung setzte und die Auffahrt zu unserem Zwinger hinunter rollte. Erst gaaanz langsam, dann immer schneller und dann hat wohl der Dicke die Raketen gezündet. Wahnsinn!! Die Rauhaardackelfrau kraulte mir den Nacken, ich rollte mich zusammen und hielt die Augen fest geschlossen. Hoffentlich wache ich nicht aus diesem Traum auf, dachte ich so bei mir, das ist ja absolut unglaubwürdig, wenn ich das den anderen in unserem Zwinger erzähle. Dann hörte ich wie der Dicke sagte, ich bin ab jetzt nicht mehr der Jockel, sondern der “ Tschambes”. Ist mir doch egal wie ich heiße dachte ich für mich, wenn nur der schöne Traum nicht aufhört. Dann aber musste ich die Augen aufmachen ! Genau neben meinem Ohr kam eine Menschenstimme aus der UFO-Türe und danach gleich Musik. Na gut, ich war neugierig, weil ich dachte wir sind schon oben und ich könnte die Engel auf Wolken sitzend musizieren sehen........, die sollen ja nur so kurze knappe Hemdchen anhaben..*ggg* Unser Fortbewegungsmittel stand und ich konnte auf einem Schild “ Autobahnraststätte “ lesen. Demnach war unser Ufo kein Raumschiff sondern ein Auto und wir sind nicht geflogen, sondern gefahren. Und ich dachte für einen Moment ich wäre im Himmel ! Die Dackelmenschen bekamen ihr Futter und ich eine Schüssel voll frisches Wasser. Man legte mir ein viel zu weites Halsband um, dann liefen wir wieder zurück zu diesem Auto. Ich rollte mich wieder zusammen und genoss meinen Traum. Ich machte die Augen erst wieder auf, als das Auto wieder stehen geblieben ist. Da nahm mich die Dackelfrau wieder fest in ihren Arm und wir gingen zusammen mit dem Dicken in ein riesiges Haus in dem viele Tiere lebten, Berge von Hundefutter standen herum, Spielzeug und sehr viele Menschen. Ich bekam mein erstes eigenes Halsband passend zu meiner Fellfarbe, dann setzten wir uns wieder in dieses Auto. Ich dachte enttäuscht, jetzt ist dieser schöne Traum aus. Selber schuld, warum muss ich kleiner neugieriger Kerl auch andauernd die Augen aufmachen ! Bestimmt haben die das nicht so gerne auf ihrem Rauhaardackelplaneten!..... Also dann, wieder zurück zu Mama und die wird mir wieder mal kein Wort glauben, wenn ich ihr erzähle was ich so alles erlebt habe. Als das Auto wieder stand hob mich die Dackelfrau heraus und trug mich einige Stufen hoch in den riesigen Zwinger der Dackelmenschen. Alles roch wie daheim bei Mama nach Rauhaardackel und ich machte mich gleich auf die Suche und horchte herum ob nicht bald einer zur Begrüßung bellt. Der Dicke hatte sich an einen Tisch gesetzt und las in meinem Ausweis, die Dackelfrau hatte sich einen Kaffee gekocht und setzte sich daneben. Mich nahmen sie zu sich hoch und setzten mich zwischen sich. Ich fühlte mich verdammt wohl bei den Dackelmenschen und diese lobten mich, weil ich so brav erzogen war. Ich war ja auch schon vier Monate alt, da weiß ein Hund doch was sich gehört.....! Dann sind wir noch um die Häuser gezogen und ich konnte an den Hausecken lesen, dass noch viele andere Hunde verschiedener Rassen in der Nähe wohnen. Die erste Nacht ohne meine Mama habe ich selig im Arm von dem Dicken durchgepennt...........hä? Natürlich im Bett, wo denn sonst ? Der Dicke hat mich doch beschützt ! Jetzt beschütze ich ihn, wenn er pennt und die Dackelfrau natürlich auch mit. Ich schlafe dann manchmal tagsüber, dann passen die beiden anderen wieder auf mich auf, wie es in einem Rudel halt so üblich ist. In der Zwischenzeit waren wir schon zusammen am Bodensee und in Oberfranken und ich genieße dann immer diese tollen langen Autofahrten. Sie erinnern mich immer an den Tag an dem alles begonnen hat mit uns und ich kann die Augen offen lassen, denn ich weiß jetzt, dass es niemals aufhören wird schön zu sein, egal wie oft man die Augen schließt und wieder auf macht. Danke , weil Du die ganze Geschichte gelesen hast ! Jetzt verstehst Du auch die Zusammenhänge auf den nächsten Seiten besser.

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